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Wort für die Woche - 5. Sonntag der Passionszeit (Judika, 29.3.2020) - von Pfr. Theo Günther

Wie lange wird es dauern, bis wir wieder Gottesdienst feiern können? Ich messe diese Zeit – und zwar an meinem Bart: am 15. März, vor dem seither letzten Gottesdienst in unserer Dreifaltigkeitskirche, habe ich ihn zum letzten Mal rasiert – und jetzt wächst er Tag für Tag, Woche für Woche still vor sich hin bis ich wieder Gottesdienst mit unserer Gemeinde feiern kann.
Ich merke: Seltsam fühlt sich das an, wenn ich mir jetzt über den Bart streiche: gedämpft und inzwischen auch weich – fast ein bisschen, wie die Welt mir in den letzten zwei Wochen vorkommt: gedämpft oder, wie ich immer mal wieder höre, „entschleunigt“: Alles läuft auf Abstand – die Menschen scheinen mir achtsamer, vorsichtiger zu sein – vielleicht auch sensibler und verletzlicher. Kaum ein unnötiges Wort wird gewechselt bei den wenigen Begegnungen auf der Straße oder an der Theke im Laden. So „nur schrecklich“ ist das gar nicht. Habe ich mir nicht schon oft die Menschen so gewünscht: achtsam und vorsichtig im Umgang miteinander und mit der Welt?
Wie lange wird das so gehen?
Diese Woche sagte eine Frau am Telefon zu mir: „Ich glaube, das hat uns Gott geschickt, damit wir endlich mal zur Besinnung kommen. Die Welt war doch grad wie verrückt. Jetzt merken wir erst mal wieder, dass wir nicht alles in der Hand haben!“
Ob das so ist, dass Gott uns das Coronavirus geschickt hat? Ich weiß es nicht – ich selbst würde es so nicht sagen. Aber in der Analyse stimme ich der Frau bereitwillig zu: „Die Welt war doch grad wie verrückt“, sagte sie. Und sie hat Recht: „Jetzt merken wir erst mal wieder, dass wir nicht alles in der Hand haben!“
Auch der Schreiber des Hebräerbrief weist schon zur Zeit des Neuen Testaments seine Gemeinde darauf hin, dass wir nicht alles in der Hand haben. Am 5. Sonntag der Passionszeit sollte darüber gepredigt werden, wie er sagt: "Wir haben hier keine bleibende Stadt". (Hbr. 13,14). Eine ernüchternde Botschaft ist das, die uns vor Augen führt, dass wir nicht die Herren der Welt sind, sondern vergängliche Geschöpfe in einer vergänglichen Welt.
Ich glaube nicht, dass wir jetzt am Ende dieser Welt sind – aber ich glaube, dass es gut und heilsam ist, sich immer wieder der Vergänglichkeit bewusst zu sein. Worauf kommt es an im Leben? Was brauchen wir wirklich? Wer bin ich, wenn ich in der auferlegten Quarantäne nicht mehr mit erworbenen Statussymbolen beeindrucken kann, sondern sehen muss, wie ich alleine oder mit meiner unausweichlich gewordenen Familie zurecht komme?

Ich will nicht jammern in dieser Zeit der seltsamen Stille und Ruhe. Vielmehr will ich achtsam und vorsichtig auf eine innere Entdeckungsreise gehen zu der mich die folgende Geschichte der Begegnung mit einem Einsiedler einlädt:

Ein Einsiedler ging wie jeden Morgen durch die Berge zum Brunnen. Er nahm den Eimer und schöpfte Wasser, als einige Wanderer vorbeikamen.
Sie fragten ihn: Was machst du hier? Er antwortete: Ich schöpfe Wasser!
Nein, du verstehst uns falsch. Was tust du hier in den Bergen?, erwiderten sie. Der Einsiedler lächelte und wies auf den Brunnen: Was seht Ihr in dem Brunnen?
Die Besucher beugten sich vor und sahen hinein: Das Wasser ist von dem Eimer aufgewühlt, trübe und unklar: Wir sehen nichts.
Eine lange Weile schwieg der Einsiedler und bat sie dann, noch einmal in den Brunnen zu sehen.
Die Wanderer wagten einen zweiten Blick, hielten inne und einer berichtete: Das Wasser ist ruhig geworden und glatt. Es ist so ruhig, dass ich mich selbst in dem Wasser spiegele und mich erkennen kann. Und wenn ich in die Tiefe schaue, sehe ich den Grund.
Der Einsiedler nickte: Genau dies mache ich hier. Ich lebe in der Stille und warte, bis in mir alles ruhig und klar geworden ist. Dann erkenne ich mich selbst. Manchmal aber schaue ich den Grund allen Lebens.
Er nahm den Eimer und ging seines Weges.
(Quelle unbekannt)

Mir scheint, wir Menschen können in diesen aufgezwungenen Wochen der Ruhe viel lernen und erfahren: über uns selbst – über das, was wirklich notwendig ist (und sei es das berühmt gewordene Toilettenpapier) – über Solidarität und Mitmenschlichkeit – über wirtschaftliche Zusammenhänge und Abhängigkeiten – über medizinische Machbarkeit und auch über ihre Grenzen.
Es wäre schön, wenn wir uns diesen Gedanken stellen – und wenn wir sie nach der Krise und der Normalisierung des Alltags nicht sofort wieder vergessen, sondern einbringen in die Diskussionen um die Zukunft. Ein bisschen hoffen darf man doch, dass das alles auch für etwas gut ist. Beindruckt hat mich da, was ein hoher Politiker am Ende eines Interviews antwortete, als er gefragt wurde, was ihn neben allem politisch zu Entscheidendem ganz persönlich in diesen Tagen bewege. Er sagte: „Ich hoffe, dass wir am Ende sagen werden, das war der Anfang eines neuen Zeitalters der Solidarität“.
Auch der Hebräerbrief bleibt nicht in der Botschaft der Vergänglichkeit stecken, wenn er sagt: "Wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir.“ In einer Situation von Angst und Verfolgung um ihres Glaubens willen gibt er seinen Gemeinden Mut und Hoffnung durch den Horizont hindurch zu sehen. Die Zeit der Krise kann der Anfang von etwas Neuem sein.
Wie lange mein Bart wohl wachsen wird? Ich weiß es nicht – und ich weiß auch nicht, ob er dann wieder seine alte Form annehmen wird oder ob er mein Gesicht verändert zurück lassen wird. Es könnte ja sein, dass diese Wochen eines anderen Lebens mich innerlich und äußerlich verändert und an Erfahrung gereift zurücklassen.

Ich grüße Sie herzlich und wünsche Ihnen: Bleiben Sie achtsam und hoffnungsvoll, mutig und besonnen, behütet und gesund.
Ihr Pfarrer aus dem Bezirk III
Theo Günther


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