Die Glocken der Walpurgiskirche

Walpurgiskirche - Sonntagsglocke.
Walpurgiskirche - Sonntagsglocke


Das vierte Stockwerk des Kirchturmes trägt den Glockenstuhl. Hier hängen folgende Glocken:

1. Die   M i t t a g s g l o c k e   aus dem Jahre 1333 mit einer Inschrift unter einem Fries von Blumen in großen gotischen Buchstaben: ANNO DOMINI M'CCC'XXXIII FVSA EST HEC CAMPANA (Im Jahre des Herrn 1333 ist diese Glocke gegossen worden). Unter dem Wort CAMPANA ist ein Kruzifix angebracht.

2. Die   S t u r m g l o c k e   wurde 1545 gegossen. Ihre Inschrift lautet: "das vort got bleibt evig / storm glock heis ich / iorg gutz vnd johannes schofman verdingten mich / 1545". Sie wurde am 11. Septem-ber zwischen drei und vier Uhr nachmittags gegossen und hatte eine "hobsche Form und guten Glanck".

3. Die   S o n n t a g s g l o c k e   ist die größte Glocke mit 141cm  Durchmesser. Sie hängt in der Mitte und hat große und schöne lateinische Buchstaben:
SERVIO CHRISTO DVM RESONANDO AD SACRA VERBA ET PIA VOTA CONVOCO COETVS CHRISTICOLARVM 1582 (Ich diene Christus, indem ich durch mein Geläut die Gemeinde der Christusverehrer zu heiligen Reden und frommen Gebeten rufe).
Auf beiden Seiten ist das Alsfelder Wappen angebracht: der Löwe mit dem Schwert außerhalb des Wappenschildes, dem mit Lindenblättern an den Büffelhörnern besteckten Helm, mitten zwischen beiden eine Taube, Sinnbild des heiligen Geistes.
Unten am Rande steht LAVX RVCKER.   

4. Die   G e r i c h t s g l o c k e   läutete früher zu den Gerichten und Ungeboten (= Gerichtstermine), später erhielt sie den Namen Kuhschelle und musste die Alsfelder zur alljährlichen Reinigung des durch die Stadt fließenden  Liederbaches rufen. Sie ist ein Umguss der alten zersprungenen Glocke von Blasius Homony und Casparus Weberus aus Lothringen und wurde nach dem Vertrag vom 25. April 1617 gegossen. Auf ihr befindet sich folgende Inschrift: EN EGO CAMPANA NVNQVAM DENVNCIO VANA. LAVDO DEVM VERVM PLEBEM VOCO CONGREGO CLERVM. GEORGIVS MESSERSCHMIDT CONSVL. CVNRADVS SCHAVPACH AEDILIS. ANNO CHRISTI 1617 (Siehe, ich Glocke, ertöne nie umsonst. Ich lobe den wahren Gott, rufe das Volk, versammle die Geistlichkeit).

5.  In der Laterne des Kirchturms hängen übereinander zwei Glocken, die die   U h r z e i t   schlagen. Sie stammen aus dem Jahre 1920 und wurden von der Firma Buderus gegossen.
Über  dem hohen Chor hängt im Dachreiter eine Glocke aus vorreformatorischer Zeit. Sie trägt am Rand in kleinen gotischen Buchstaben die Schrift "ave maria". Vielleicht stammt sie aus der Erbau-ungszeit des Chores (1393). Sie läutet zum Vaterunser.


Literatur:
E. Becker: Die Kirchenglocken zu Alsfeld,
Mitteilungen des Geschichts- und Altertumsvereins, II/2

Verfasser:
 Dr. Herbert Jäkel u. Dipl.-Ing. Karl  August Mengel
Überarbeitung: H. Dittmar u. G. Filbrandt (2004)